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TFI - Trade Fairs International - Das Wirtschaftsmagazin für Messen und Märkte

TFI Focus

DEUTSCHE AUSLANDSMESSEN

Zu Gast bei den Nachbarn

Photo: Koelnmesse
Höchst dynamischer Emissionshandel: Die Carbon Expo macht demnächst Station in Barcelona.
Deutsche Veranstalter haben in den letzten Jahren viel Energie in die entfernten aufstrebenden Märkte gesteckt. Eher unbemerkt engagieren sie sich auch in den Nachländern.

Die Grundrichtung ist klar: „Emerging Markets stehen beim Aufbau von Satellitenveranstaltungen unserer Messen im Fokus“, erklärt Ulrich Kromer, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart. Doch es gibt Ausnahmen: „Eine Sondersituation haben wir in Italien und Österreich.“ Mit der Amusement Expo Europe sind die Schwaben seit kurzem in Genua vertreten. Der Grund dafür ist der Zusammenschluss der Schaustellermessen Interschau, Deutschland, und Technofolies, Italien. Gemeinsam haben sich die Messegesellschaften aus Stuttgart und Genua mit dem Deutschen Schaustellerbund und mehreren Branchenverbänden zusammengetan – mit dem Ziel, ein europäisches Schaufenster für Schausteller und Freizeitparkbetreiber zu schaffen. Das nächste Mal trifft sich die Branche vom 28. bis 30. Oktober 2009 in Genua. 2010 gastiert die Schaustellermesse dann wieder in Stuttgart.    

 

Mit der Intervitis Vienna dagegen will Kromer den vielen – eher kleinen –   Winzer- und Obstbauernbetrieben Österreichs und Osteuropas eine Technologieschau vor der Haustür bieten. „Auf der großen Intervitis Interfructa in Stuttgart sehen wir bislang nur einen Teil von ihnen“, bedauert der Geschäftsführer (www.messe-stuttgart.de). Ähnlich ist die Motivation bei der Karlsruher Messe- und Kongress-Gesellschaft (KMK). Die Märkte sollten stärker für die Themen der Bildungs- und Informationstechnologie sensibilisiert werden. Durch das „Klonen“ der Learntec ist es den Karlsruhern gelungen, sowohl bei Aussteller- wie bei Besucherzahlen zuzulegen. „Wir sind frei nach dem Motto verfahren: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, geht die Learntec nach Österreich“, erklärt Frank Pflugfelder. „Beziehungsweise in die Schweiz“, sagt der Projektleiter der Messe.

Photo: KMK
Die deutschsprachigen Besucher zum Learntec-Besuch in Karlsruhe bewegt.

Inzwischen habe die KMK diese reifen Märkte so gut an sich gebunden, dass ein weiteres Engagement vorerst nicht nötig sei. „Als Cash Cow waren die beiden Veranstaltungen ohnehin nie konzipiert“, betont Pflugfelder. „Eher als strategisches Instrument, mit dem wir die deutschsprachigen Länder gezielt von einem Besuch der Learntec in Karlsruhe überzeugt haben“ (www.kmkg.de). Dass nie alle potenziellen Anwender zu einer Weltleitmesse wie der Control nach Deutschland kommen, ist auch dem privaten Messemacher Schall aus Frickenhausen klar. Deshalb trägt der baden-württembergische Unternehmer seine Messen in etablierte und in aufstrebende Märkte. „Das Angebot muss zum Markt kommen“, ist Geschäftsführer Paul Eberhard Schall überzeugt. Er transferiert seine Themen dahin, wo er entsprechendes Potenzial vermutet. In den europäischen Industrieländern ist die Schall-Gruppe in Frankreich, Italien und in Schweden aktiv (www.schall-messen.de).  

 

„Ein Engagement in einem reifen Nachbarmarkt ist immer dann sinnvoll, wenn eine Branche noch keinen Treffpunkt hat“, betont Andreas Luttmann, Geschäftsführer der Hannover Messe International. Die Orto / Pro Care Espana biete diese Plattform für persönliche Kontakte und den Informationsaustausch innerhalb des spanischen Orthopädie- und Altenpflegemarkts. Generell seien Veranstaltungen zwar nicht immer vom ersten Mal an rentabel. Trotzdem lohne sich das Engagement innerhalb zukunftsträchtiger Branchen wie dem Gesundheitsmarkt. In Spanien ist vor allem der private stationäre Sektor zwischen 2001 und 2004 förmlich explodiert: Jährlich kamen fast 14.000 neue Pflegebetten auf den Markt. 1999 standen noch knapp 195.000 Betten für 6,85 Millionen Menschen über 65 Jahre zur Verfügung. Dagegen waren es 2006 bereits über 270.000 für 7,33 Millionen Menschen.  

Photo: Messe Frankfurt
Texworld in Paris: Europa ist immer noch ein wichtiger Markt für Textilien und Bekleidung.

Parallel dazu stieg auch die Zahl der Pflegeheime kontinuierlich. Die Orto / Pro Care Espana will den enormen Bedarf an Produkten, Dienstleistungen und Pflegekonzepten transparent machen. Die nächste Fachmesse für Altenpflege findet 2010 in erneut auf dem Gelände der Madrider IFEMA statt. Andreas Luttmann schätzt in entwickelten Märkten wie Spanien die professionelle Infrastruktur. „Die Messegelände sind hoch modern ausgestattet, gleichzeitig ist die Anbindung an Innenstadt und Flughafen/Bahnhof vorhanden.“ Zudem verlaufe die gesamte Abwicklung einer Messe in professioneller Weise. In Emerging Markets wie Indien und China sei demgegenüber Pionierarbeit notwendig und Abläufe seien meist nicht so routiniert wie etwa in Westeuropa. Kulturelle Unterschiede in Bezug auf Kommunikation und Arbeitsweisen stellten die Zusammenarbeit vor besondere Herausforderungen (www.messe.de).  

 

Die Koelnmesse zieht es ebenfalls nach Spanien. Ihre Carbon Expo – Messe und Konferenz für Emissionshandel und Lösungen zur Treibhausgasreduzierung –   öffnet ihre Pforten vom 25. bis zum 27. Mai 2009 erstmalig in Barcelona. Die Entscheidung für die katalanische Stadt ergab sich aus der engen Zusammenarbeit mit den Partnern der Koelnmesse, Weltbank und International Emissions Trading Association (IETA). „Spanien ist ein bedeutender Teilnehmer am Emissionshandel“, erklärt Guido Gudat. „Das Land war bereits von Anfang an eines der größten Ausstellernationen auf der Carbon Expo“, so der Pressesprecher der Koelnmesse. Die Zusammenarbeit mit den spanischen Kollegen soll neue Synergien für den Emissionshandelsmarkt schaffen. Besonders große Hoffnungen setzen die Organisatoren auf die Unterstützung durch die spanische Regierung. In Barcelona werden 300 Aussteller und 3.500 Besucher erwartet. Letztere werden aus 120 Ländern in die 1,6-Millionen-Einwohnerstadt am Mittelmeer reisen.  

 

Im Jahr darauf ist erneut das Rheinland an der Reihe. 2010 wird die Messe im Mai wieder in Köln stattfinden. Das Wachstumspotenzial ist extrem hoch. Einem Report des Carbon Expo-Partners Weltbank zufolge, hat sich das Handelsvolumen der Emissionsrechte höchst dynamisch entwickelt – von zehn Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf mittlerweile rund 64 Milliarden US-Dollar (www.koelnmesse.de). Gleich in mehreren europäischen Ländern sind die Frankfurter Messekollegen vertreten: in Frankreich, Italien, Russland und in der Türkei. „Damit beweisen wir, dass wir sowohl in ausgereiften Märkten als auch in Schwellenländern erfolgreiche Messethemen platzieren können“, erklärt Stephanie Keukert, Brandmanager Bekleidungsstoffe und Mode der Messe Frankfurt Exhibition. Treibende Kraft für die Entwicklung neuer Veranstaltungen seien für die Messe Frankfurt immer die Bedürfnisse der Kunden.  

 

Die Messe Frankfurt engagiert sich seit 1998 in Frankreich. Sie hatte seinerzeit die französische Textil- und Bekleidungsmesse Texworld übernommen. 2002 wurde sogar eine eigene Tochtergesellschaft, Messe Frankfurt France S.A.S. gegründet, um die Veranstaltung weiter auszubauen. „Die Texworld in Paris ist mit ihrem internationalen Produktangebot für den europäischen Markt und das untere und mittlere Marktsegment einzigartig“, erklärt Stephanie Keukert . Sie biete der Textilindustrie in Süd- und Ostasien – aber auch in der Türkei und Osteuropa – eine ausgezeichnete Plattform für den Einstieg in den europäischen Kernmarkt. „Europa ist neben den USA und China immer noch einer der wichtigsten Märkte für Textilien und Bekleidung“, betont Keukert. „Die großen Brands und Konfektionäre und deren Entscheidungsträger sitzen nach wie vor hier.“ In der Modemetropole Paris findet die Texworld parallel zur Premiere Vision statt. Seit 2002 ist die Texworld kontinuierlich gewachsen. 2007 zog sie daher auf das Gelände Paris le Bourget um. Hier gibt es genügend Platz für die weitere Entwicklung (www.messefrankfurt.com).  

Karin Fink

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2009