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TFI Focus

MESSEPOLITIK

"Gebt den Ausstellern mehr Förderung"

Photo: Schall
Für die Messen von Schall bringen die Konjunkturpakete wenig, da dort vor allem mittelständische Technologieanbieter ausstellen.
Was bringen staatliche Konjunkturpakete für die Messeunternehmen? Direkt nichts, indirekt eine bessere Stimmung und Vertrauen. Im Wahljahr haben die Messemacher ein paar Wünsche.

Mit Wirtschaftsprogrammen und der Forderung „Opel retten!“ wird die Politik immer mehr zum aktiven Spieler in der Wirtschaft. Profitiert auch die Veranstaltungslandschaft davon? Helfen ihr die geplanten Investitionen in die Infrastruktur? Keinen Effekt auf die Messewirtschaft sieht Bernd Aufderheide. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Hamburg Messe und Congress wünscht sich, dass die Bundesregierung der Auslandsmesseförderung einen größeren Wert beimisst. „Die Beteiligungsprogramme sollten eher ausgebaut als gekürzt werden.“ Aufderheide betrachtet die Auslandsmessen als wichtigen Motor für den Export: „Vielen mittelständischen Unternehmen würde mit einem geförderten Messeauftritt im Rahmen einer Gemeinschaftsbeteiligung sehr geholfen“ (www.hamburg-messe.de).  

 

Stuttgarts Messeverantwortliche halten es für wichtig, dass die neue Bundesregierung das Auslandsmesseprogramm nicht nur beibehält – sondern gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ausbaut. Was die gegenwärtigen Aktivitäten der öffentlichen Hand angeht, sehen die Schwaben vor allem Effekte durch die Kurzarbeit. Dieses Instrument dürfte den Ausstellern helfen, „die Mittel für Werbe- und Marketingmaßnahmen aufrecht zu erhalten“, glaubt Ulrich Kromer. „Und damit auch die Budgets für Messen“, bekräftigt der Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart. Er sieht mit Interesse, dass die handwerksorientierten Fachmessen zurzeit noch sehr gut laufen. „Ob dies auf Investitionen aus Konjunkturprogrammen in die Infrastruktur zurückzuführen ist, kann ich nicht beantworten“, sagt Kromer (www.messe-stuttgart.de).  

Photo: BMWi
Messeförderung fällt in sein Resort: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Für den Veranstalter P. E. Schall bringen die aktuellen Stützungsmaßnahmen wenig, da es sich bei seinen Ausstellern größtenteils um mittelständische Technologieanbieter handelt. „Aus der Vergangenheit ist nichts gelernt worden“, ärgert sich Geschäftsführer Paul Schall. „Die mit verlorenen Milliardenzuschüssen subventionierten Montanindustrien gibt es in alter Form nicht mehr.“ Das private Messeunternehmen wünscht sich lieber mehr Förderung für den Mittelstand – etwa im Marketingbereich. „Denkbar wäre, dass Firmen auch bei internationalen Messen in Deutschland und Europa unterstützt werden“, regt Schall an. „Das würde die Marketingbudgets entlasten und mehr Vermarktungsmöglichkeiten bieten.“ Schließlich kämen zu diesen Messen viele potenzielle Kunden aus dem Ausland nach Deutschland. Über das Mehrgeschäft könnten hierzulande Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden (www.schall-messen.de).     

 

Die Karlsruher Messe- und Kongressgesellschaft (KMK) spürt keine direkten Auswirkungen der Konjunkturprogramme. „Indirekt sind natürlich alle wirtschaftsstärkenden Infrastrukturmaßnahmen gut für das Messegeschäft“, formuliert Britta Wirtz. „Und gut für die Stimmung auf unseren Messen.“ Die Sprecherin der KMK-Geschäftsführung befürwortet den Abbau von Handelshemmnissen und die weitere Erleichterung von Einreisebestimmungen – zugunsten der Internationalität (www.kmkg.de). Da Krisenzeiten immer mit Vertrauensverlust einhergehen, stehen vertrauensbildende Aktivitäten ganz oben auf der Wunschliste der Messe Erfurt. Und: „ Konjunkturprogramme bewirken einen Stimmungsumschwung“, betont Vorstand Johann Fuchsgruber. „Genau das brauchen mittelständische Aussteller in der momentanen Situation.“ Die Förderung von Großunternehmen mit Konjunkturpaketen helfe auch mittelständischen Zulieferfirmen, die sich so Messebeteiligungen leisten könnten (www.messe-erfurt.de).  

Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 3-4/2009