Historiker bezeichnen die alte Doppelmonarchie Österreich-Ungarn rückblickend oft als Vielvölkerstaat. Doch Kaiser und Könige sind passé. Stattdessen gibt es heute zahlreiche selbstbewusste Staaten und viel lieber wird von „multikulti“ gesprochen. Diese lebendige Mischung lässt sich bei verschiedenen Anlässen hautnah vor Ort erleben. Beispiel CEFA: Zum Treffen der Central European Fair Alliance im Juli in Klagenfurt reiste die Mehrheit der Teilnehmer mit dem Auto an – eine Entscheidung, die den Fahrern nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen einige Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben dürfte. „Halb Europa war auf Achse“, berichtet Ivan Ivanov über seine Tour, die in Bulgarien begann und wieder endete. „Türken, Serben, Kroaten und andere Nationalitäten fuhren in ihren Heimaturlaub“, erzählt der Geschäftsführer vom Messezentrum IEC in Sofia. „Das führte auf unserem Rückweg an den Grenzen zu längeren Wartezeiten.“
So stressig die Fahrt auch war – Ivanov hatte in Klagenfurt eine wichtige Verpflichtung zu erfüllen: Die CEFA-Delegierten wählten ihn zum neuen Präsidenten für das Jahr 2010. Er wird turnusmäßiger Nachfolger von Erich Hallegger, dem Geschäftsführer der Kärntner Messen. Als amtierender CEFA-Präsident hebt Hallegger die Bedeutung der bilateralen Zusammenarbeit der 22 Mitgliedsmessen aus dem Alpen-Adria-Donau-Raum hervor. „Der Repräsentant der Messe München in Zagreb unterstützt auch die Messe Klagenfurt“, erläutert er an einem Beispiel. „Das wäre ohne unsere Vereinigung nicht möglich.“ Innerhalb der CEFA gehe es nicht zuletzt darum, dass die Mitglieder untereinander Aussteller vermittelten. „Ein anderer Schwerpunkt ist die Fortbildung“, verweist Erich Hallegger auf das seit einigen Jahren durchgeführte Young Professionals Seminar (www.cefa.biz).
Manfred Wutzlhofer ist CEFA-Chairman und gehört zu den Motoren der Zusammenarbeit unter den Messeunternehmen. Nach 14 Jahren an der Spitze der Messe München geht er Ende Dezember wie geplant in den Ruhestand. Langweilig dürfte es ihm künftig trotzdem nicht werden. Schließlich wird er im Jahr 2010 oberster Repräsentant der UFI. Seine Präsidentschaft könnte dem Südosten Europas in der internationalen Messeszene noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bringen. „Die Länder dieser Region befinden sich in einer Umbruchsituation“, beschreibt Wutzlhofer. „Neue Strukturen werden aufgebaut“, spricht er exemplarisch über die Veränderungen bei den Anteilseignern einiger Messegesellschaften. Er glaubt dabei fest an eine rosige Zukunft: „Hier entsteht die entscheidende Wachstumsgeschichte der nächsten zwei Jahrzehnte in Europa!“ Oder anders formuliert: Wer sich jetzt als Aussteller oder Investor engagiert, kann an dieser Geschichte mitschreiben.
Auch Berislav Cizmek ist von der positiven Entwicklung zwischen Alpen, Adria und Donau überzeugt. Der frühere Marketingdirektor der Zagreber Messe sieht die Gründe vor allem in der Europäischen Union – sind doch Staaten wie Slowenien, Rumänien und Bulgarien bereits EU-Mitglied, während andere eine Beitrittsperspektive haben. „Ich bin da sehr optimistisch“, betont der CEO von CBBS in Zagreb. „Der EU-Fokus macht einiges möglich.“ Die Investitionen in diese aufstrebenden Märkte bedeuteten für Firmen aus den alten Ländern der Union gewaltige Chancen, wirbt Cizmek. „Und zwar fast vor der Haustür und nicht in China“, ergänzt er. Das erleichtere die Geschäfte besonders für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). „Messen sind in diesem Kontext eine exzellente Plattform zur Kontaktanbahnung.“
UFI in Zagreb
Die Teilnehmer des 76. UFI-Jahreskongresses können in der kroatischen Hauptstadt wie gewohnt spannende Vorträge zu aktuellen Themen verfolgen. Leider lässt sich die anhaltende Weltwirtschaftskrise mit ihren Auswirkungen auf die Messewirtschaft nicht völlig aussparen. Im Fokus stehen aber ebenso das Web 2.0 und Services als Schlüsselfaktoren für den Unternehmenserfolg. Auch die neusten Trends aus den herausfordernden Märkten Nord- und Lateinamerikas werden aufgezeigt. Getreu dem Tagungsmotto „Zurück in die Zukunft“ wird eine Frage von elementarer Bedeutung sein: Wie nimmt die jüngere Generation das Medium Messe wahr? Neben dem Wissensaustausch gibt es wieder genügend Möglichkeiten zum Netzwerken. Am 29. Oktober findet das traditionelle UFI-Dinner im Nationalarchiv statt. Die Postkongresstour führt am Sonnabend, 31. Oktober, nach Dubrovnik an die Adria. Dubrovniks Altstadt wurde 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Wer vor oder nach der Tagung ein wenig Zeit hat, sollte sich zuvor die Zagreber Altstadt anschauen. Das komplette Kongressprogramm ist im Internet nachzulesen (www.ufi.org).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 5/2009