In der Hauptstadt ist Optimismus angesagt. „Wir sehen dem Messejahr 2010 sehr positiv entgegen“, bekräftigt Raimund Hosch. „B2B- und B2C-orientiert sind wir gut aufgestellt“, argumentiert der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin. „Dabei erweist sich die gleichzeitige Ausrichtung der Messen auf Fach- und Privatbesucher als vorteilhaft.“ Nächstes Jahr haben die Berliner turnusgemäß ein noch stärkeres Programm als 2009. „Allein im ersten Halbjahr gehören 18 viel versprechende Ereignisse zu unserem breiten Spektrum“, zeigt sich Hosch erwartungsfroh. Bei den jährlich durchgeführten konsumgüternahen Messen stehen die drei Berliner Klassiker im Fokus: Bereits zu Beginn des Jahres öffnet mit der Internationalen Grünen Woche die weltweit bedeutendste agrarpolitische Veranstaltung. Sie verzeichnete zuletzt einen leichten Besucherrückgang, meldete ausstellerseitig aber „eine der stärksten Beteiligungen seit der Erstveranstaltung im Jahre 1926.“
Im März folgt in Berlin dann das wichtigste Ereignis der weltweiten Tourismusindustrie. „Die ITB zeigt sich selbst in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld robust“, freute sich Raimund Hosch zuletzt über fast 179.000 Besucher. „Damit wurde sie von mehr Marktteilnehmern denn je besucht.“ Mit Unterhaltungselektronik, Informations-/Kommunikationstechnik und Hausgeräten lockt die IFA im September. Sie ist Order- und Publikumsmesse zugleich – ein Mix aus Neuheiten, Stars, Entertainment und Information. Aus Kapazitätsgründen muss die Messe Berlin mittlerweile des Öfteren temporäre Hallen aufbauen. Daher ist eine Vergrößerung des Messegeländes in den nächsten Jahren um eine Halle mit rund 15.000 Quadratmetern geplant (www.messe-berlin.de).
Die NürnbergMesse führt ihre internationalen Konsumgüter-Fachmessen in (drei) unterschiedlichen Branchen durch. Ein Schwerpunkt sind die ökologisch erzeugten Lebensmittel. „Nach vielen Jahren zweistelligen Wachstums im globalen Bio-Markt sieht es zumindest in Deutschland für 2010 nach einer Konsolidierung aus“, analysiert Bernd A. Diederichs. Das geschieht „auf dem bisher erreichten hohen Niveau“, wie der Geschäftsführer der NürnbergMesse hinzufügt. International hält die Dynamik allerdings weiter an: „Weltweit wächst Bio unverändert.“ Die BioFach Nürnberg wird in ihrem Kernsegment Bio-Lebensmittel stabil bleiben und lediglich an den Rändern voraussichtlich leicht schrumpfen. Das bedeutet für die Franken keinen Grund zur Beunruhigung. „Nach der dynamischen Aufwärtsentwicklung ist dies ein marktkonformer Verlauf“, betont Bernd Diederichs.
Weiter wachsend erweist sich der nationale und internationale Markt für Heimtierprodukte – ebenso wie die Spezialsegmente des klassischen Outdoorbedarfs: Bekleidung, Ferngläser und Messer. „Unsere Leitmessen Interzoo und IWA & OutdoorClassics werden deutlich zulegen“, prognostiziert Messechef Diederichs. Einen hohen Bedarf haben die Nürnberger derzeit im IWA-Segment Law Enforcement ausgemacht, das den persönlichen Sicherheitsbedarf von Fachbehörden, Polizei und Sondereinsatzgruppen deckt. Gefragt sind vor allem Waffen, Munition und Bekleidung (www.nuernbergmesse.de).
Ein gutes Beispiel für den Stand der Dinge in den Konsumgüterbranchen ist die Kölner Anuga. „ Sie hat jüngst trotz Wirtschaftskrise mit mehr als 153.000 Fachbesuchern und über 6.500 Ausstellern ihr hohes Niveau gehalten “ , sagt Gerald Böse. „ Mit leichtem Besucherrückgang “ , ergänzt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Koelnmesse. Er fordert, die Wirtschaftkrise nicht als allgemeine Messekrise zu sehen. Natürlich hätten einzelne Messen mit rückläufigen Aussteller- und Besucherzahlen zu kämpfen. „ Doch viel bedeutsamer ist es, dass die Branchen durch unsere Messen positive Impulse bekommen “ , meint Böse. „ Und dass die Beteiligten die Messen mit guter Stimmung und neuen Perspektiven verlassen. “ So werde jede Veranstaltung zum branchenspezifischen Konjunkturprogramm.
In Köln zeigen die Ereignisse der Konsumgüterindustrie dabei unterschiedliche Entwicklungen. Die imm cologne und die ISM hatten wie die Anuga leichte Einbußen bei den Besuchern. Dagegen konnten sich die ProSweets Cologne, die gamescom und die Kind + Jugend deutlich steigern. Jetzt und im kommenden Jahr befindet sich die Koelnmesse in einer umfassenden strukturellen Neuausrichtung. Das „ Effizienzprogramm 2012 plus “ will weiteres Wachstum erzielen, Kosten senken und effizienter sein. Dabei soll es bei der Qualität des Kundenservice und bei den Veranstaltungen keinerlei Abstriche geben. Für 2010 sehen die Kölner noch keine nachhaltigen Verbesserungen der ökonomischen Rahmenbedingungen. „ Daher wird sich der momentan leicht spürbare wirtschaftliche Aufwind nicht vor 2011 in den Besucher- und Ausstellerzahlen bemerkbar machen “ , prognostiziert Gerald Böse. „ Ich erwarte allerdings, dass sich unser Portfolio auch 2010 bewährt “ (www.koelnmesse.de).
Einem spannenden Messejahr sieht die Messe Frankfurt mit positiven Erwartungen entgegen. „ Bei fast allen unseren Veranstaltungen handelt es sich um Leitmessen “ , begründet Bereichsleiterin Nicolette Naumann. „ Diese Messen werden gebraucht “ , verweist sie auf die Konsumgüterschauen Paperworld, Christmasworld, Beautyworld, Hair & Beauty, Ambiente und Tendence. Nicht zuletzt aufgrund der Inbetriebnahme der neuen Halle 11 sind einige Neustrukturierungen vorgesehen. So dreht sich die Ambiente mit ihren Segmenten um 180 Grad, die Ausstellergruppen finden sich in anderen Hallen als bisher wieder. 2010 wird zudem die Paperworld um Europas größte Fachmesse zur Wiederaufbereitung von Druckerzubehör, Remax, erweitert.
Einige Konsumgüterbranchen erleben aktuell einen Wandel, dem andere Ursachen zugrunde liegen als die Wirtschaftskrise. „ Insbesondere in der Glas-, Porzellan- und Keramikbranche gibt es seit über fünf Jahren strukturelle Veränderungen und Konsolidierungsprozesse “, beobachtet Nicolette Naumann. Während sich dieser so genannte „ Bereich Tisch “ nach und nach rückläufig entwickelte, ist der Küchen- und Haushaltswarenbereich stetig gewachsen. Entsprechend bieten die Frankfurter den wachstumsstarken Segmenten nächstes Jahr größere Plattformen. Bei den anderen Branchen ist etwa der Markt für Papier-, Büro- und Schreibwaren relativ stabil. „Gut sieht es auch im Deko-Bereich aus “ , freut sich Naumann. „Denn entwickelt sich die gesamtwirtschaftliche Lage schlecht, sehnen sich die Menschen nach einem gemütlich gestalteten Zuhause.“ Besonders im Trend liege das grüne Wohnzimmer. Und bestimmen Stress und Unruhe den Alltag, gönnen sich die Menschen gerne etwas für sich selbst: „Sei es in Form von Wellnessanwendungen, einem Friseurbesuch oder Produkten für zu Hause“ (www.messefrankfurt.com).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 6/2009