In Frankfurt liegt das Messegelände innerhalb der seit gut anderthalb Jahren bestehenden Umweltzone. „Diese Zone ist jedoch so eingerichtet worden, dass Aussteller- und Besucherverkehr zum Messegelände weiter möglich sind“, betont Uwe Behm, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. „Über spezielle Routen können auch Fahrzeuge ohne Umweltplakette das zentrale Gelände anfahren.“ Um das möglich zu machen, hätte es eine enge Zusammenarbeit zwischen Messegesellschaft und Stadt gegeben. Sowieso ist das Auto nicht das alleinige Verkehrsmittel. „Mit 67 Prozent der Aussteller und 38 Prozent der Besucher machen unsere ausländischen Kunden einen großen Teil der Messeteilnehmer aus“, zieht Behm die Statistik heran. „Für sie spielt die Anreise mit dem Pkw eine untergeordnete Rolle.“ Nicht zuletzt aufgrund der exzellenten Verkehrsanbindung über Luft und Schiene sind die Frankfurter überzeugt: „Die Umweltzone hat die weltweit positive Wahrnehmung des Messeplatzes Frankfurt nicht verändert“ (www.messefrankfurt.com).
Auch in Hannover reisen Aussteller und Besucher aus dem Ausland meist mit Bahn oder Flugzeug an. Vor Ort nutzen sie öffentliche Verkehrsmittel, beobachtet die Deutsche Messe. Alternativ steigen die Messezielgruppen auf einen Leihwagen um. Die Fahrzeuge großer Autovermietungen verfügten über die notwendigen Plaketten. „Unser Messegelände selbst liegt außerhalb der Umweltzone“, erklärt Hartwig von Saß. „Das gilt ebenso für Autobahnen und Schnellwege“, sagt der Leiter Kommunikation bei der Deutschen Messe. „Dadurch sind wir erreichbar, ohne dass die Umweltzone tangiert wird.“ Als Anfang 2008 die Zone eingerichtet wurde, haben die Hannoveraner eigens einen Service für Aussteller und Besucher angeboten. Sie konnten sich eine entsprechende Umweltplakette auf dem Messegelände besorgen. Dazu war ein eigener Servicepoint eingerichtet worden, der mittlerweile nicht mehr angeboten wird – die Dienstleistung wurde nur vereinzelt in Anspruch genommen. „Wir erkennen keine negativen Auswirkungen für unseren Messeplatz“, resümiert Hartwig von Saß. Bislang habe es weder von Ausstellern noch von Besuchern negative Stimmen gegeben.
Hannover gehörte zusammen mit Berlin und Köln zu den Pionieren der Feinstaubbekämpfung. Daher kann „sicher davon ausgegangen werden, dass sich das positiv auf das Image als nachhaltige Stadt ausgewirkt hat“ (www.messe.de). Diese Vorreiterfunktion wird ebenso bei der Koelnmesse hervorgehoben, die für ihre Stadt gleichfalls eine vorteilhafte Imagewirkung sieht. „Zahlreiche andere Kommunen sind schließlich diesem Beispiel gefolgt“, begründet der Bereichsleiter Unternehmenskommunikation, Guido Gudat. „Da es kaum ablehnende Reaktionen gegeben hat, kann von negativen Auswirkungen keine Rede sein.“ Zudem sei eine Verkehrssteuerung geschaffen worden, die das bereits Anfang 2006 eingeführte Verkehrskonzept rund um die Messe ergänze: „Auf- und Abbauverkehr und der Veranstaltungsverkehr werden unter Nachhaltigkeitsgesichtpunkten gelenkt“, beschreibt Gudat. Es bestehe ein zentraler Lkw-Sammelplatz, eine dynamische Verkehrslenkung und somit eine bessere Steuerung des Messeverkehrs.
Das Kölner Messegelände liegt in unmittelbarer Nähe von City und Umweltzone. Es ist dennoch unter Umgehung der Innenstadt auch ohne Plakette direkt erreichbar. Die Messegesellschaft hatte die Veranstaltungsteilnehmer bereits lange vor dem Start-Termin am 1. Januar 2008 auf die Situation hingewiesen. „Wir haben sie darauf vorbereitet, dass Hotels und Restaurants unter Umständen nicht direkt ohne Plakette angefahren werden können“, blickt Gudat zurück. Noch bis vor gut einem Jahr seien Plaketten direkt auf den Veranstaltungen der Koelnmesse verkauft worden. Jetzt wird Auskunft zu Verkaufsstellen in Messenähe gegeben (www.koelnmesse.de).
Bei der Messe Berlin sind Aussteller und Gäste nicht direkt betroffen. „Das ICC und das Messegelände liegen außerhalb der Berliner Umweltzone innerhalb des S-Bahnringes“, beschreibt Unternehmenssprecher Michael Hofer. „Eine Relevanz besteht nur insofern in Ausnahmefällen“, verweist er darauf, dass sich das Veranstaltungsareal direkt neben dem betreffenden Bereich befindet. Für An- und Abfahrt in Verbindung mit Auf- und Abbau gebe es wenig zu beachten. Und während der Messelaufzeit falle die Existenz der Umweltzone wegen der hervorragenden öffentlichen Verkehrsanbindungen ebenfalls kaum auf. Die meisten Berliner Messegäste bevorzugten schon lange den Nahverkehr.
Kraftfahrer, deren Auto keine grüne Plakette trägt, fänden in der Metropole Berlin auch außerhalb der klar begrenzten Umweltzone geeignete Hotels – und dazu viele Parkplätze direkt an Stadtbahnhöfen und städtischen Buslinien. „Bisher sind uns keine Klagen zu Ohren gekommen“, bestätigt Hofer die Erfahrungen anderer Messestädte. Im Gegenteil: „Unsere Partner freuen sich vielmehr, ihre Geschäftstätigkeit in innerstädtischer Lage zu vollziehen.“ Da die Umweltzone keine unmittelbare Bedeutung für die Veranstaltungsaktivitäten aufweist, steht die Messe Berlin der bestehenden Situation neutral gegenüber (www.messe-berlin.de).
In Hamburg stellen sich die Dinge völlig anders dar. „Trotz einer schwarz-grünen Regierung gibt es in der Hansestadt keine Umweltzone“, erzählt Karsten Broockmann. „Ein wesentlicher Grund ist der Widerstand der Wirtschaft“, begründet der Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Hamburg Messe und Congress (HMC). Die Bedenken seien von der Handelskammer Hamburg sehr deutlich in die Politik getragen worden. Mit ihrem Gelände im Herzen einer Großstadt begrüßt die HMC diese Regelung ausdrücklich – da andernfalls Probleme erwartet worden wären. „Zwar könnten die Besucher bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen“, so Broockmann. Für Aussteller und Servicepartner dagegen wäre die Nachbarschaft von Messe und Kongresszentrum CCH zu potenziellen Umweltzonen mit Nachteilen verbunden gewesen. Sie seien möglicherweise gezwungen gewesen, ausschließlich mit neuesten Fahrzeugen anzufahren. „Das ist besonders für kleine und mittlere Unternehmen nicht immer leistbar“ (www.hamburg-messe.de).
Wer es ganz genau wissen möchte, kann sich im Internet bei verschiedenen Expertenorganisationen schlau machen – etwa bei der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), Stuttgart. Dort wird zum Beispiel darüber informiert, w elche amtliche Plakette ein Fahrzeug erhält. Mit einer Suchfunktion kann abgefragt werden, ob es Nachrüstmöglichkeiten für ältere Fahrzeuge gibt (www.gtue.de).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 3-4/2010