Ähnlich ist die Sichtweise in Nürnberg.
„Messegesellschaften suchen ihre Chancen zunehmend außerhalb der bereits
gesättigten Stammmärkte“, stellt Claus Rättich fest. „Deshalb bieten Zukäufe
die Chance zu schnellem Wachstum und den Ausbau von Marktpositionen“, sagt das
Mitglied der Geschäftsleitung der NürnbergMesse. „Daher wird das internationale
Messegeschäft bereits seit Jahren von Zukäufen und Kooperationen geprägt.“ Rättich
verweist auf die Aktivitäten von Messegesellschaften wie UBM oder ITE. Er
glaubt, dass sich der Trend fortsetzt und intensiviert – von kleineren
Schwächephasen etwa durch Wirtschaftskrisen einmal abgesehen. Auch die
NürnbergMesse handelt, wenn in einem Zielmarkt eine erfolgreiche und thematisch
passende Branchenmesse existiert. „Dann wird natürlich das Gespräch über einen
anteiligen oder vollständigen Erwerb in Betracht gezogen“, so Rättich. „Es ist
jedoch entscheidend, dass die jeweilige Veranstaltung unseren qualitativen
Ansprüchen im Ausland genügt – oder diese Ansprüche kurzfristig erreichen
kann.“ Grundsätzlich würden Mergers & Acquisitions gleichgewichtig zu
eigenen Entwicklungen oder Kooperationen betrachtet.
Die Nürnberger wissen um die Erfolgsfaktoren, damit Käufe erfolgreich über die
Bühne gehen. „Gerade bei großen Projekten braucht es absolute Geheimhaltung“,
erklärt Claus Rättich. So etwas funktioniere nur, wenn die Einstellung aller
Beteiligten höchst professionell sei. Eine andere Klippe sind die juristischen
und steuerlichen Unterschiede. „Beim Kauf unserer brasilianischen
Tochtergesellschaft haben wir uns in drei Rechts- und Steuersystemen bewegt“,
beschreibt Rättich eine besondere Herausforderung. „Amerikanisch,
brasilianisch, deutsch.“ Das hätte es auf Verkäufer- und Käuferseite schwierig
gemacht, all diese externen Faktoren in denVerträgen unter einen Hut zu
bringen. „Mal ganz abgesehen von den drei Zeitzonen, in denen die
Verhandlungspartner arbeiteten.“
Eine zentrale Bedeutung liegt in der Übertragung des „Goodwill“. Einerseits
sind Akten, Fakten und Datenbanken für eine reibungslose Übergabe des Projektes
unverzichtbar. Andererseits bedarf es „der Bereitschaft aller Beteiligten, auch
die weichen Inhalte und Kontakte weiterzugeben und zu begleiten“, formuliert
Claus Rättich. „Gerade im Veranstaltungsbereich hat der spezielle
Know-how-Transfer einen sehr hohen Stellenwert.“ Aus diesem Grund versucht die
NürnbergMesse normalerweise bei jedem Kauf, die Wissensträger einzubinden. Das
kann etwa über Beraterverträge oder eine variable Erfolgsbeteiligung am
zukünftigen Erfolg der Veranstaltung geschehen. „Uns ist es stets gelungen,
diese entscheidenden Wissensträger langfristig im Boot zu behalten oder über
neue Anstellungsverträge direkt zu übernehmen“, freut sich Claus Rättich
(
www.nuernbergmesse.de).