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TAIWAN

„Eine wahrhaft intelligente Revolution“

Photo: Taitra
Die Computex ist eine bedeutende Informationsdrehscheibe für zahlreiche Branchen.
In der taiwanesischen Veranstaltungsszene tut sich was. Die Infrastruktur wird laufend verbessert und auch die weichen Faktoren spielen eine wichtige Rolle.
Bei der Ankündigung für die Exhibition & Convention Industry Show – Exco – nennt das Taiwan External Trade Development Council (Taitra) fünf Messenamen: Computex, Semicon Taiwan (Messe für Halbleitertechnik), Taipei Cycle, Ampa (Autozubehör) und Taispo (Sport). Und gleich im Anschluss folgt die Frage, ob es bei diesen Namen „geklingelt“ hat. Natürlich hat es, schließlich handelt es sich um die fünf wichtigsten taiwanesischen Veranstaltungen. Das Quintett verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Messen auf der Insel. Die „Exco“ muss sich ihren Namen noch erarbeiten: Am 19. und 20. November 2009 gibt das Ereignis für die Messe- und Tagungswirtschaft seinen Einstand in Taipeh. Für eine erfolgreiche Erstauflage stehen die Zeichen gut. Namhafte Veranstalter wie das Hong Kong Trade Development Council oder die Messe Frankfurt HK sind dabei. Bekannte Hotelketten stellen ebenfalls aus, auch weil die Exco parallel zum Asian Mice Forum ausgerichtet wird (www.excotaiwan.com.tw).
Photo: Taitra
Taipei Cycle: Fahrrad-Akrobatik vor dem Eingang der TWTC Nangang Exhibition Hall.

Der zukunftsträchtige MICE-Sektor erhält derzeit starke Unterstützung von offizieller Seite. Die taiwanesische Regierung hat eine Reihe von Aktivitäten ins Leben gerufen. Das soll den Veranstaltungsbereich im internationalen Wettbewerb stärken. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Meetings, Incentives, Kongresse und Messen zum wirtschaftlichen Wohlergehen des Landes beitragen. Sie locken Gäste aus aller Welt – was sich wiederum positiv auf das Image Taiwans und den Handel auswirkt. Mit Jahresbeginn hat das Außenhandelsbüro im Wirtschaftsministerium ein vierjähriges MICE-Förderprogramm gestartet. Zudem wurde ein MICE Project Office (MPO) eingerichtet, das als zentrale Anlaufstelle für Koordinierung, Beratung und Information fungiert. Dieses MPO-Projektbüro soll außerdem dazu beitragen, internationale Kooperationen zu entwickeln und etablieren.  

 

Durch das Förderprogramm erhalten Organisatoren, Verbände und andere Institutionen bei ihren Projekten diverse Incentives. Die unterstützenden Maßnahmen sind auf die unterschiedlichen Phasen von Veranstaltungen ausgerichtet: bewerben um ein Event, vermarkten, durchführen vor Ort. Auch auf die Weiterbildung von MICE-Professionals wird Wert gelegt. Flankierend zu solchen so genanten weichen Faktoren, erwartet Taiwans Regierung, dass Investitionen in die Infrastruktur angezogen werden – in Tagungszentren, Hotels, Transportsysteme und Freizeitanlagen. Auf dieses Weise erhöht sich die Attraktivität der Destination Taiwan bei ausländischen Organisatoren (www.meettaiwan.com). Was die Messeinfrastruktur betrifft, hat sich schon eine Menge getan. Vor anderthalb Jahren wurde die TWTC Nangang Exhibition Hall mit der Fahrradmesse Taipei Cycle in Betrieb genommen. Die zweistöckige Ausstellungshalle bietet über 45.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und hat eine umweltfreundliche Anbindung an die MRT-Metro (www.twtcnangang.com.tw).  

Photo: Taitra
Auf den Taitra-Messen gibt es auch diverse Gelegenheiten zum Matchmaking.

Taiwans führende Veranstaltungen sind ein Spielbild der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel. Die seit 22 Jahren bestehende Taipei Cycle ist nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil Fahrräder „Made in Taiwan“ die Weltmärkte erobert haben. Es gibt eigene Marken und die Fertigung für fremde Labels – beispielsweise für bekannte italienische Unternehmen. Vom 17. bis 20. März 2010 tritt die nächste Taipei Cycle in die Pedale. Sie zählt nach Angaben der Organisatoren zu den drei wichtigsten Fahrradmessen weltweit. Federführend sind Taitra und der Verband der taiwanesischen Fahrradexporteure TBEA. Das internationale Interesse ist immens. Die Taipei Cycle 2009 wurde von fast 4.800 ausländischen Interessenten frequentiert. Besonders stark vertreten waren Besucher aus den USA, der Volksrepublik China und Hongkong, Südkorea und Deutschland (www.taipeicycle.com.tw).  

 

Im Computerbereich sind taiwanesische Unternehmen wie Asus oder Acer überall ein Begriff. Und die Computex Taipei ist seit vielen Jahren quasi so etwas wie die asiatische CeBIT. Diese als weltweit zweitgrößte IT-Schau geltende Messe wird nicht nur in der Nangang Exhibition Hall, sondern auch im World Trade Center durchgeführt. Im kommenden Jahr, vom 1. bis 5. Juni, feiert der Informationstechnologie-Treff bereits sein 30-jähriges Jubiläum. Trotz des schwierigen weltweiten Marktumfelds begrüßte Taitra zuletzt vor vier Monaten knapp 35.000 internationale Besucher. Die Organisatoren verzeichneten damit in diesem Segment einen marginalen Zuwachs von 0,5 Prozent. Darüber hinaus trafen die 1.712 Aussteller auf mehr als 80.000 lokale Interessenten. Neben ihrer Funktion als Schaufenster der allerneusten Notebook-Entwicklungen diente die Computex als Infodrehscheibe für eine Vielzahl von Branchen – unter anderem für Medizin, Automobil, Luftfahrt und Ausbildung. Dies, schwärmen die Macher von Taitra, reflektiere die Vielfalt „einer wahrhaft intelligenten Revolution“ (www.taitra.com.tw).    

Photo: Borstel
Werbung: Während der CeBIT 2009 legten die Taiwanesen am Hauptbahnhof in Hannover einen Halt ein.
Zur Computex 2010 könnte es bei der Einkäuferzahl eine weitere Steigerung geben. Als Lokomotive dürfte die Volksrepublik China für Dampf sorgen. Auf dem Festland wurden milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt, um die Wirtschaft zu anzukurbeln. Das taiwanesische Topology Research Institute (TRI) sagt deshalb voraus, dass fünf Informationstechnologiebereiche zu strahlenden Hotspots werden – und das bereits in diesen Herbst. Dazu zählen die dritte Generation der Mobilfunkstands, LCD-Bildschirme. Notebooks und Netbooks, LED und Autoelektronik. Chinas starke Nachfrage sorgt dabei für massive wirtschaftliche Triebkräfte, erwartet das Institut. Und: Von der wirtschaftlichen Erholung der Volksrepublik wird Taiwans IT-Industrie in erheblichem Maße profitieren, sind die Marktforscher überzeugt (www.computextaipei.com.tw).

Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 5/2009