„Die Ukraine leidet wohl mehr als jedes andere europäische Land unter der globalen Wirtschaftskrise“, stellt Valerii Pekar, Präsident des führenden ukrainischen Fachmesseveranstalters Euroindex, in Kiew fest. Trotzdem strahlt er Zuversicht aus: „Wir haben schon viele Krisen überwunden, einschließlich des Zusammenbruchs der Sowjetunion.“ Man müsse sich außerdem bewusst machen, dass die ukrainische Wirtschaft vor der Krise jahrelang geboomt habe – und die Messebranche dabei Wachstumsraten von rund 20 Prozent verzeichnete. „Das größte Manko der Ukraine ist allerdings nicht ökonomischer Natur, sondern die anhaltende politische Instabilität“, glaubt Pekar. „Nach den Neuwahlen Anfang 2010 wird die wirtschaftliche Erholung bei uns unverzüglich einsetzen.“
Bis dahin bestehe die Hauptaufgabe der Unternehmen darin, zu überleben. Bei Euroindex hat die Zahl der Messen und verkauften Flächen um die Hälfte abgenommen, die Menge der Besucher allerdings kaum. „Gerade jetzt ist das Bedürfnis nach Kommunikation besonders groß“, so Valerii Pekar. „Die Leute haben Angst, etwas Wichtiges für ihre Geschäfte zu verpassen – Informationen, Kontakte, sogar Gerüchte.“ Das treibe sie zu den Meinungsmachern, Experten und Optimisten; dorthin wo sie sich positive Emotionen versprächen. „Unsere führenden Messen bieten genau diese Inspiration.“ Neue Projekte sind bis auf weiteres aufgeschoben. „Eine Ausnahme bilden nur jene Events, die für die Überwindung der Krise wichtig sind“, nennt Pekar die Renexpo Eastern Europe. Die Messe für regenerative Energien und energieeffizientes Bauen fand Anfang November in Kiew statt. Da die Ukraine einen der höchsten Energieverbrauchskoeffizienten weltweit hat, schreiben Experten der Branche ein großes Potenzial zu (www.euroindex.ua).
Auch die Spanier setzen auf die relativ krisenresistenten Sparten Reisen und Umwelt. Das erklärt Luís Eduardo Cortés, Präsident des Geschäftsführenden Ausschusses der Madrider Messegesellschaft Ifema. Unter dem Motto „Fitur Green“ verbindet die 30. Ausgabe der renommierten Reisemesse erstmals beide Themen. Sparsamer Energieverbrauch, vor allem im Hotelsektor, steht dabei im Mittelpunkt. Zusätzliche Attraktivität soll eine kostenlose Jobbörse für Touristiker bringen. „Strategisch baut das Madrider Management auf drei Säulen auf“, erläutert Cortés. Zum einen veranstalte die Ifema neue Shows mit viel versprechendem Inhalt – etwa die Senioren- und Gesundheitsmesse Bida, die Fruit Attraction, die Design-Messe 360 Interior Home oder die Outlet Residencial.
Eine zweite Erfolgschance ortet der Ifema-Chef beim Erwerb bereits konsolidierter Veranstaltungen, wie der Mil y una bodas für Hochzeitsmode. Die dritte Säule bestehe in der Ausrichtung stark spezialisierter Gastveranstaltungen. Als Beispiele nennt Cortés den Salón Internacional del Club de Gourmets, die Oldtimer-Messe Retromóvil und die Fotomesse Foto Ventas Digital. Gleichzeitig setzt die Ifema ihren Internationalisierungskurs fort. „Wir verfügen über alles Notwendige, um mit Unternehmungsgeist und Initiative die derzeitige Krise erfolgreich zu überstehen“, gibt sich Cortés kämpferisch. „Wir wissen, wie man Messen macht, wir denken positiv – und wir werden selbst in einem schwierigen Umfeld unsere Geschäftsmöglichkeiten finden“ (www.ifema.es).
Auch in Mailand, Italiens Messestandort Nummer eins, herrscht Tauwetterstimmung. „Schon jetzt ist speziell bei den kleinen und mittleren Unternehmen eine große Entschlossenheit zu beobachten“, freut sich Enrico Pazzali. „Sie wollen ihre Konkurrenzfähigkeit durch Reorganisation und Innovation steigern“ weiß der CEO der Fiera Milano. Auch die Messegesellschaft selbst arbeitet an ihrem Auftritt. „Wir konzentrieren uns weiter auf unser Kerngeschäft, aber mit noch mehr Kundenorientierung“, so Pazzali. Chancenreich sieht Pazzali vor allem das Nahrungsmittelsegment – gerade auch im Hinblick auf die Expo 2015 in Mailand, die unter dem Motto „Feeding the planet, energy for life“ steht.
Im kommenden Jahr dominieren jedoch erstmal technische Aufhänger das Portfolio: die MCE für Sanitär, Heizung und Klima im März oder die traditionelle Bias für Fabrikautomation und Mikroelektronik. Die Bias findet Anfang Mai zeitgleich mit der Fluidtrans Compomac, der Mechanical Power und der Xylexpo für Holzverarbeitung statt. Weitere Themen in Mailand sind Werkzeugmaschinen und Roboterautomatisierung. Um die Beteiligungen leichter zu machen, hat die Fiera Milano eine Übereinkunft mit der Intesa Sanpaolo Banking Group ausgehandelt – um die Aussteller mit Krediten in Höhe von bis zu 750.000 Euro bei ihrer Teilnahme zu stützen. Gefeilt wird am internen Reorganisationsprogramm: Ende des Jahres sollen vier Organisationsgesellschaften in das Mutterhaus integriert werden. „Somit können wir noch effektiver und kostengünstiger agieren“, prophezeit Enrico Pazzali (www.fieramilano.it).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 6/2009