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TFI - Trade Fairs International - Das Wirtschaftsmagazin für Messen und Märkte

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HONGKONG

Das Mekka für Gründer und Macher

Photo: Borstel
Ost trifft West: Auf der World SME Expo wird Business-Matching betrieben.
Kleine und mittelständische Unternehmen prägen die Wirtschaft der südchinesischen Metropole. Sie finden allerbeste Bedingungen vor und eine Messe für diese „KMU“ gibt es auch.

Als Allan Zeman in Kanada seine erste Million verdient hatte, fühlte er sich unendlich reich – bis die Steuer kam und ihm ein großer Teil des Geldes wieder abgeknöpft wurde: „Das war für mich nicht besonders motivierend“, meint er rückblickend. Irgendwann fand der 1949 in Deutschland geborene Geschäftsmann eine Lösung. Er gründete eine Firma in Hongkong und kam so in den Genuss von niedrigen Steuersätzen. In den frühen Achtzigern eröffnete er sein erstes westlich geprägtes Restaurant im Central District. Um weitere Gastronomie zu etablieren, kaufte Zeman gleich den ganzen Häuserblock und wurde Projektentwickler. Einige Einrichtungen betrieb er selbst, andere vermietete er. Das waren die Anfänge des Entertainmentviertels Lan Kwai Fong – in einer Zeit, in der die Queen das Staatsoberhaupt am Victoria Peak war.  

 

Mittlerweile gehört Hongkong zur Volksrepublik China. Allan Zeman ist noch immer da und er hat sich fest vorgenommen, zu bleiben. „Seit anderthalb Jahren bin ich chinesischer Staatsbürger“, betont er mit dem Hinweis, dass er an eine glanzvolle Zukunft Chinas glaubt. Einen Rückfahrschein besitzt er nicht. „Meinen kanadischen Pass habe ich abgeben.“ Solche Tellerwäschergeschichten gibt es in Hongkong zuhauf. Die Metropole am Perlflussdelta bildet eine einzige Ansammlung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese KMU (englisch: SME) haben jedes Mal zum Jahresende ihre „eigene“ Messe im Hong Kong Convention and Exhibition Centre – wo sie auch praxisnahe Anregungen erhalten. Auf letzten World SME Expo stellten der Messeveranstalter Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) und das Kreditkartenunternehmen Visa eine Partnerschaft vor. „Durch diese Kooperation mit Visa wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit der Hongkonger KMU fördern”, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des HKTDC, Benjamin Chau.  

Photo: Borstel
Große arabische Delegation bei der Eröffnung der World SME Expo im HKCEC.

Die Firmenkreditkarten beinhalten rund 100 Vorteile für Hongkonger Unternehmen. So sammeln die Nutzer etwa bei Zahlungen rund um die Messen des Trade Development Council zusätzlich Bonuspunkte. Und wer als Einkäufer eine Visa-Firmenkarte einsetzt, kann sein Kundenkonto um eine kreditfreie 56 Tage-Finanzierungsfrist erweitern lassen. Über solche publikumswirksamen Maßnahmen hinaus fördert Hongkong die kleinen und mittelständischen Unternehmen noch an anderen Stellen – zum Beispiel über exzellente Verbindungen zu wissenschaftlichen Einrichtungen. Davon profitieren Jung-Unternehmer wie Cory Kidd. Der US-Amerikaner gründete zusammen mit seiner Chefdesignerin Erica Young die Firma Intuitive Automata. Mit ihrem Start-up-Unternehmen zogen sie die New Territories dem kalifornischen Silicon Valley vor: Sie ließen sich in den Hong Kong Science and Technology Parks nieder.  

 

Cory Kidd hat den interaktiven Roboter „Autom“ entwickelt, der Übergewichtigen demnächst beim Abnehmen helfen soll. Wer seine Körperlasten reduzieren möchte, kann mit der Roboterdame täglich kommunizieren. Sie hört sich an, was genascht wurde, spricht immer wieder Mut zu und gibt Ratschläge. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Diäten häufig schiefgehen, weil unterstützende Bezugspersonen fehlen – und damit die Motivation, die Sache bis zum Ende durchzuziehen. Ende des Jahres wird Autom an den Start gehen. Eine potenzielle Käufergruppe hat Kidd längst ins Visier genommen. „Wir zielen in erster Linie auf den nordamerikanischen Markt.“ In den USA scheint er sich bessere Absatzchancen zu versprechen als in Fernost, wo sich die Menschen vergleichsweise gesund ernähren. Um an die Kunden zu kommen, denkt der Robotikexperte an diverse Vermarktungsaktivitäten: „Auch Messen kommen dafür durchaus in Betracht“ (www.hktdc.com).  

Photo: HKTDC
Machen Diäten künftig leichter: Erica Young (l.), Autom (m.) und Cory Kidd.

„Großartige Arbeit geleistet!“  

Stolz führt Cliff Wallace die Gäste durch das erweiterte Hong Kong Convention and Exhibition Centre (HKCEC). „Der Bau der zusätzlichen Quadratmeter über den Wassern des Victoria Harbour war eine riesige Herausforderung“, erzählt der HKCEC-Geschäftsführer. „Alle Beteiligten haben dabei großartige Arbeit geleistet“, lobt er und fügt hinzu, dass alt und neu eine nahtlose Einheit ergeben. Ein Jahr nach Inbetriebnahme der ergänzenden Flächen ist es für den Außenstehenden kaum erkennbar, wo die Erweiterungsbauten beginnen – und welche Gebäudeteile bereits zuvor bestanden haben. „Das zeigt, wie modern unser Design bereits damals im Eröffnungsjahr 1988 war“, freut sich Wallace. Mit der 2009 abgeschlossenen zweiten Expansionsstufe verfügt das Convention and Exhibition Centre in Wan Chai nun über 66.000 Quadratmeter reine Ausstellungsfläche. Damit kann nicht nur die steigende Nachfrage nach Ständen befriedigt werden. Auch wird es leichter, dass mehrere Veranstalter ihre Shows zeitgleich durchführen. Zudem ergeben sich massive logistische Vorteile.  

 

Bei Bedarf lässt sich die Fläche bis auf 91.000 Quadratmeter erweitern. „Dann werden Ballsäle und Parkflächen mit einbezogen“, verweist Cliff Wallace auf Großmessen. So belegt eine der Mega Shows von Kenfair über 80.000 Quadratmeter brutto. Weil das HKCEC schon wieder an seine Grenzen stößt, möchten die Betreiber das Veranstaltungszentrum bis 2018 nochmals ausbauen – von weiteren 30.000 Quadratmetern ist die Rede. Was den Planungsprozess angeht, sind die nächsten Monate sehr wichtig. „Es müssen weitreichende politische Entscheidungen getroffen werden“, erklärt Wallace. „Für eine neuerliche Vergrößerung wäre es beispielsweise notwendig, nahe gelegene Sportstätten umzusiedeln“, sagt Wallace. Er spricht von einer Herkulesaufgabe, die alles da gewesene in den Schatten stellt. Auch die für 2017 vorgesehene, direkte MTR-Anbindung an das HKCEC dürfte dagegen fast ein Klacks ein (www.hkcec.com).                

Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2010