Bei der Posener Messe, Miedzynarodowe Targi Poznanskie (MTP), gibt es derzeit vielerlei Aktivitäten. „Wir haben im vergangenen Jahr zehn neue Messen eingeführt“, sagt Jacek Rychlewski. „In diesem Jahr werden es sogar noch ein paar Premieren mehr sein“, betont der Sprecher von MTP. Dazu zählt „On/Off“, Polens erste Schau für Unterhaltungs- und Haushaltselektronik. Die Necropolis widmet sich dem Bestattungswesen und die Sakralia der Ausstattung von Kirchen. Um Trends and Anwendungen im Design geht es Ende Mai auf der moodForm. Glas und Wassermanagement sind weitere neue Themen. Alles in allem will die Posener Messe nicht nur die Zahl der Veranstaltungen erhöhen. „Wir wollen auch bei der verkauften Fläche zulegen – genauso wie bei Ausstellern und Besuchern“, kündigt Jacek Rychlewski an. „2010 werden rund 12.000 ausstellende Firmen mehr als 330.000 Quadratmeter belegen“, lautet die aktuelle Hochrechnung bei der führenden polnischen Messegesellschaft.
In den nächsten Jahren erhält das Posener Messegelände ein Face-Lifting. Schon seit Januar sind Bagger und Arbeitskräfte am Werk, um mit dem Pavillon 6A die Ausstellungsfläche um 3.600 Quadratmeter zu erweitern. Dafür musste ein anderer, früherer Sowjet-Pavillon weichen. Auch das Kongresszentrum wird modernisiert. In diesem Zug entsteht ein Konferenzsaal für 2.500 Teilnehmer, mit dem der zunehmenden Nachfrage begegnet wird. „Unser Poznan Congress Centre war von der Weltwirtschafts- und Finanzkrise in keinster Weise betroffen“, resümiert Jacek Rychlewski. „Im vergangenen Jahr wurden dort 1.900 Veranstaltungen durchgeführt.“ Das bedeutete ein Plus von fast 14 Prozent.“ Über 470.000 Teilnehmer erschienen zu diesen Ereignissen, allein die Zeugen Jehovas versammelten rund 23.000 Menschen. In den nächsten Jahren werden weitere Meilensteine stattfinden. „Ein asiatisch-europäisches Treffen der Kulturminister, die Hallenhockey-WM der Männer und Frauen – und die Supporter-Zone bei der Fußball-Europameisterschaft 2012“, zählt Rychlewski auf (www.mtp.pl).
Polens Nummer zwei, Targi Kielce, verweist nicht ohne Stolz darauf, dass der nationale Marktanteil in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden konnte. „Gemäß einer Studie der Polnischen Kammer der Messewirtschaft liegen wir inzwischen bei 27 Prozent“, freut sich Andrzej Mochon. „Wir haben letztes Jahr 155.500 Quadratmeter vermietet“, bilanziert der Präsident von Targi Kielce. „Das war nur ein winziger Rückgang um ein Prozent und bei den Besuchern konnten wir sogar fast ein Zehntel draufpacken.“ Natürlich bleibe das internationale Umfeld auch weiterhin nicht ganz einfach. Doch trotz dieser Rahmenbedingungen hätte das Jahr 2010 einen sensationellen Frühjahrsauftakt gebracht. „Die internationale Agrartechnologiemesse Agrotech belegte einschließlich des Freigeländes rund 40.000 Quadratmeter“, so Mochon. „Die Besucherzahl lag ebenfalls bei 40.000.“
In Kielce werden im August die Halle E und der Pavillon F in Betrieb genommen. Letzterer war von einem Feuer im letzten Herbst zerstört worden. Mit den neuen Gebäuden wird die Hallenfläche dann 36.000 Quadratmeter aufweisen. „Damit setzen wir ein sichtbares Zeichen“, verkündet Andrzej Mochon. „Wir zeigen, dass wir in Zukunft noch mehr Aussteller einladen können und gute Bedingungen schaffen.“ Schließlich genieße das Marketingmedium Messe in Polen eine immer höhere Wertschätzung. Nicht zuletzt diese Erkenntnis animiert zur Ausweitung des Portfolios. In der zweiten Jahreshälfte gibt es bei Targi Kielce drei Erstveranstaltungen, insgesamt sind es acht, die 2010 an den Start gehen. Mit der im Oktober – parallel zur 8. Transexpo – ausgerichteten Moto-Tech reagiert die Messegesellschaft darauf, dass es Bedarf an themenbezogenen Automobilfachmessen gibt. „Die meisten Autoausstellungen in Polen sind allgemeine Publikumsveranstaltungen“, erläutert Mochon. „Wir richten uns mit der Moto-Tech an Fachleute.“ Eine weitere Premiere im Oktober ist die Fahrstuhlmesse Euro-Lift und die Messe für Interior Design rundet den Reigen der Newcomer ab (www.targikielce.pl).
Dass es in Polen derzeit so gut läuft, hängt damit zusammen, dass die weltweite Krise das Land weniger getroffen hat. „Ein Grund dafür ist sicherlich die regidere Kreditvergabe polnischer Banken im Vergleich zu anderen Ländern“, argumentiert Zaneta Berus. „Ein gutes Barometer für die stabile Wirtschaftslage sind die bei uns durchgeführten Messen“, glaubt die Geschäftsführerin der Expo XXI in Warschau. „Sie haben ihre Größe im vergangenen Jahr gehalten.“ Für 2010 wird in Warschau sogar ein Rekordjahr erwartet. „Wir rechnen bei uns im Veranstaltungszentrum über 45 Messen“, sagt Berus. „Das bedeutet einen Zuwachs von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Sie stellt fest, dass die Fachmessen wieder zulegen. Ende Januar verzeichnete der Marketingtreffpunkt Rema Days mit 550 Ausstellern eine Rekordbeteiligung. Die Yacht- und Bootshow „Wind und Wasser“ erreichte bei den ausgestellten Booten und Besuchern ein Plus von etwa einem Viertel.
Im April bedeutete der Kongress der European Wind Energy Association (EWEC) und die begleitende Ausstellung einen Höhepunkt im Programm. „Es kamen über 3.000 Teilnehmer aus aller Welt“, berichtet Expo XXI-Chefin Berus. „Dieser Kongress war der größte, der in den letzten drei Jahren in Wahrschau abgehalten wurde.“ Im zweiten Halbjahr geht es dann Schlag auf Schlag weiter. So steht die Pflanzen- und Gartenausstellung „Green is Life“ an – und das Hong Kong Trade Development Council kehrt nach dem Vorjahreserfolg mit seiner Leistungsschau zurück. Die Expo XXI ist außerdem eine neue Kooperation mit einem lokalen Partner eingegangen. „So könnten wir im Herbst die Möbelmesse Mob-Expo und die Lichtschau Light-LED bei uns durchführen“, betont Zaneta Berus. „Das werden nicht die letzten neuen Veranstaltungen sein“ (www.expoxxi.pl).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 3-4/2010