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TFI - Trade Fairs International - Das Wirtschaftsmagazin für Messen und Märkte

TFI Praxis

MESSEBAU INTERNATIONAL

Von Madrid über Lyon nach Nürnberg

Photo: Unit One
Japanischer Verband Nedo auf der Pollutec: Licht mit besonders niedrigem Stromverbrauch.
Deutsche Messebauer stehen international sehr hoch im Kurs. Sie bedienen Kunden aus allen Erdteilen und an nahezu allen Messeplätzen. Teils in Eigenregie, teils über Netzwerke.
Messestände zu bauen ist das Eine. Aber komplette Veranstaltungen mit Ausstellungsbauten, Mobiliar und Equipment zu bestücken stellt eine Herausforderung dar. Das gibt einem Dienstleister auch logistisch alle Hände voll zu tun. Die Firma Bluepool aus dem württembergischen Leinfelden-Echterdingen hat ihre Visitenkarte als Allround-Dienstleister gleich an mehreren Orten in Madrid hinterlassen – als dort die Fahrvorstellung der neuen Mercedes-E-Klasse über die Bühne ging. Den zentralen Aktionsplatz, einen Veranstaltungsort im Norden der Stadt, verwandelte Bluepool in ein salonreifes Areal für einen Markenauftritt. Dies geschah nach einem Entwurf der Leadagentur Oliver Schrott und in Zusammenarbeit mit dem Lichtdienstleister Neumann & Müller und der Abteilung GET, Daimler AG, Zu errichten waren ein 450 Quadratmeter großer Ausstellungsbereich für Oldtimer, Sicherheits-Themen und Interieur-Präsentationen sowie ein ebenso großer Lunch-Bereich für täglich 40 bis 50 internationale Besucher. Dabei handelte es sich durchweg um Fachjournalisten, die von der neuen E-Klasse nicht nur bei Probefahrten durch Madrid zu überzeugen waren.
Photo: Bluepool
Mercedes: Abhängender, elliptisch geformter Raumteiler aus halbdurchsichtigen Textilvorhängen.

Dunkelbraune Wengeholz-Wände, ein umlaufendes weiß glänzendes Band mit Exponat-Botschaften sowie ein weißer Hochglanzboden gaben dem Auftritt die gewünschte Atmosphäre. Besonders ins Auge fiel ein hellbrauner, von der Decke abhängender, elliptisch geformter Raumteiler aus halbdurchsichtigen Textilvorhängen. Dahinter luden Loungemöbel zum Verweilen ein. Außerdem errichtete Bluepool für die 24 Tage dauernde Veranstaltung ein komplettes 3D-Kino mit 90 Plätzen. Insgesamt fand der Einführungs-Event an vier verschiedenen Orten in Madrid statt. Deshalb wurde der Messebauer auch an mehreren Plätzen gleichzeitig aktiv – und schuf unter anderem im Eurostar Tower Hotel Madrid eine Lounge, in der die Journalisten den Tag gemütlich ausklingen ließen. Um alles Material nach Spanien schaffen zu können, musste Bluepool insgesamt neun LKW in Anspruch nehmen. Rund 25 Monteure wurden eingespannt, die sämtliche Aufbauten in ganzen fünf Arbeitstagen bewältigten (www.bluepool.de).  

 

Nedo ist ein japanischer Verband von Unternehmen mit Umwelt-, Forschungs- und   Energieeinspartechnologien. In Lyon, auf der Umweltmesse Pollutec 2008, konnte man den Verband und insgesamt acht seiner Mitgliedsfirmen kennenlernen. Auf einem Gemeinschaftsstand stellten sie dem Fachpublikum innovative Produkte und neue Technologiekonzepte vor. Sie vermittelten dabei gleichzeitig das Bild von Japan als High-Tech-Standort auch in diesem Sektor. Einen ganz ungewöhnlichen Eyecatcher hatten die Japaner für ihren Auftritt in Frankreich gewählt: eine Flutlichtanlage. Das Besondere an dieser Lichtanlage war die neuartige LED-Technik mit einem besonders niedrigen Stromverbrauch. In den Standbauelementen fand sich die Technik der Nedo-Unternehmen ebenfalls wieder, zum Beispiel in Form von energiesparenden LED-Designerleuchten. Durch Fachvorträge in einer speziellen Technologielounge wurden Besucher über Neuheiten informiert.

Photo: Atelier Türke
Bburago: Kunde und Messebauer entschieden sich für ein System aus durchgängig weißen Podesten, Säulen und Wandbauten.

Wichtig war es den Japanern jedoch, dass der Standbau dem Umweltgedanken auch materiell entspricht. Alle Bauelemente des 180 Quadratmeter großen Gemeinschaftsstandes wurden nach ökologischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgewählt. So kamen ausschließlich recycelbare Materialien zum Einsatz. Und wo immer möglich, wurde in modularer Bauweise produziert, so dass die Standbauelemente wieder verwendbar sind. Alles andere als eine Allerweltsaufgabe also für den Messebauer Unit One der den Standbau plante und umsetzte. Wie aber gelang es, die spezifischen Kundenwünsche der Japaner umsetzen? „Unser Partner Oishi in Tokio half uns, nahm die Wünsche entgegen und erarbeitete gemeinsam mit uns das Standkonzept“, erinnert sich Michael Chrystal, Geschäftsführer des Krefelder Messebau-Unternehmens. In der eigenen Schreinerei von Unit One konnten in insgesamt vier Monaten – zwischen den ersten Planungsgesprächen und dem Messetermin – die passenden Lösungen gefunden und konstruiert werden. „Die effiziente Arbeitsteilung zwischen Tokio und Krefeld hat unseren gemeinsamen Kunden voll überzeugt“ (www.unit-one.de).  

 

Bei Messeauftritten in der Fremde ist das interkulturelle Know-how aller Beteiligten gefragt. Und dieses Wissen um die Gepflogenheiten des internationalen Partners nützt längst nicht nur im Rahmen von Veranstaltungen im Ausland. Auch daheim kann es in der Zusammenarbeit mit ausländischen Kunden durchaus hilfreich sein – wie das Beispiel einer deutsch-chinesischen Zusammenarbeit zeigt. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse präsentierte sich der Hongkonger Modellbauer Bburago auf insgesamt 262 Quadratmetern Fläche mit seiner Palette an Modellautos. Der Lockvogel des Standes war indes eines der Vorbilder der Bburago-Modelle, nämlich ein rassiger Original-Lamborghini. „Ein echter Hingucker auf einer Spielwarenmesse und ein emotionaler Anreiz, sich mit den Modellautos zu beschäftigen“, wie Frank Türke betont. „Gerade für uns Männer.“ Als Geschäftsführer der Atelier Türke Messedesign GmbH aus dem baden-württembergischen Balingen zeichnete er für Standentwurf und Umsetzung verantwortlich.  

 

Frank Türke kennt auch die besonderen Wünsche seiner chinesischen Kunden, die sich bisweilen von denen europäischer Austeller unterscheiden. „Die Pflanzen und bunten Blumengestecke auf dem Stand mussten besonders groß und üppig ausfallen“, berichtet der Messeexperte. „Das bedeutet in China Wohlstand.“ Vor allem ging es aber auch bei Bburago um die Modellpräsentation. Hier entschieden sich Kunde und Messebauer für ein System aus durchgängig weißen Podesten, Säulen und Wandbauten. Diese Wandbauten grenzten den Auftritt nach außen hin ab. Sie boten jedoch auf halber Höhe eingelassene Glasvitrinen, in denen von innen wie von außen die Modellautos betrachtet werden konnten. Durch die bewusst neutral gehaltene Farbgebung hoben sich sowohl die Produkt-Vitrinen als auch das rundherum prangende Firmenlogo prominent hervor.   „Der Bburago-Stand war praktisch unübersehbar“, konstatiert Frank Türke. „Und wer näher kam und an der offenen Seite den Lamborghini erblickte, musste einfach stehenbleiben und wurde neugierig“ (www.atelier-tuerke.de).  

Jens Kügler

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2009