Ökologie war einst ein Metier, mit dem vor allem mitteleuropäische Verbraucher gewonnen werden konnten. Inzwischen ist es zum globalen Kriterium für Kaufentscheidungen geworden, besonders bei Autos. Für den französischen Konstrukteur Renault ging es darum, Umweltbewusstsein und saubere Technik mit seinem Messeauftritt auf mehreren Kontinenten zu demonstrieren. „Drive the change“ heißt das Motto. Der Stand wirkte leicht und luftig. Wesentliche Bauelemente bestanden aus Materialien wie Spanplatten, Stamoid-Planen, Holz und MDF. Grünpflanzen-ähnliche Deko-Elemente und Displays mit Naturmotiven unterstrichen den ökologischen Anspruch. Vor allem aber musste der Stand weltweit einheitlich erscheinen, und das auf immerhin bis zu 20 Messen pro Jahr. Daher wurden insgesamt drei Messebau-Unternehmen involviert und mit der weltweiten Umsetzung betraut. Eines davon ist die Firma Expomobilia aus Zürich. „Nur wenn Sie mit fixen Partnern und nach einheitlichen Kriterien arbeiten, kann Einheitlichkeit auch gelingen“, ist Michèle Desalmand, Renault-Projektleiterin bei Expomobilia, überzeugt.
Das Unternehmen greift selbst auf ein eingespieltes Netzwerk mit Partnern auf der ganzen Welt zurück. „Wo immer möglich, arbeiten wir mit eigenen Leuten aus der Schweiz und spannen die lokalen Kräfte vor Ort mit ein“, so Michèle Desalmand. Trotz unterschiedlichster Standgrößen zwischen 700 und 2.000 Quadratmetern erlebten die Messebesucher in Neu Delhi im Januar 2010 dieselbe Präsentation wie im April in Casablanca – und später in Peking oder São Paulo. Und das mit Original-Elementen aus der Schweiz. „Natürlich ist dies mit langen Speditions- und Verschiffungszeiten verbunden“, berichtet die Messe-Expertin. „Doch die Einheitlichkeit ist es wert.“ Expomobilia legte seinem Kunden daher schon in der frühesten Planungsphase eine präzise Zeit- und Kostenkalkulation für Transport und Bau vor. „Jedes Land und jede Messe hat andere Vorschriften“, weiß die Zürcherin und nennt Beispiele. „In Russland sind die Kosten enorm und die Zollformalitäten kompliziert, in den USA dürfen nur gewerkschaftlich organisierte Messebauer ran. Dank unserer Erfahrung und Partner vor Ort wissen wir, was auf uns und unsere Kunden zukommt“ (www.expomobilia.ch).
Verschiffung? Das war kein Thema für den deutschen Messebauer Blickfang bei seinem Shanghai-Projekt – obwohl der Aussteller, Hafen Hamburg, einer der führenden Seefahrts-Umschlagplätze ist. Eine kostengünstigere Lösung war gefordert: Bau nach vorliegendem Entwurf in China. Der Blickfang-Stand für die Weltleitmesse der Branche, die transport logitisc München, sollte exakt nachempfunden werden; gemäß den hohen Ansprüchen des Ausstellers. Deshalb wurden die Elemente für die Schwestermesse von der Niederlassung eines mit Blickfang eng vernetzten deutschen Messebauers in Shanghai gefertigt. „Design, Qualität und Materialien hatten europäisches Niveau“, erinnert sich Stephan Sluyter von der Hamburger Dependance des Kölner Unternehmens. „Die Projektleiter vor Ort genießen eine Ausbildung in Deutschland oder nach deutschen Maßstäben.“ So erlebten die Besucher in China einen 132 Quadratmeter großen Auftritt des Hafens Hamburg mit acht Unter-Ausstellern, der der Präsentation auf der Münchner Leitmesse in nichts nachstand. Exponate wurden nicht gezeigt, dafür sollte eine Atmosphäre für reine Kommunikation geschaffen werden.
Zum Einsatz kamen konventionelle Stahlkonstruktionen, edle Wandverblendungen mit Dekors wie beispielsweise Nussbaum, gebürstete Edelstahl-Elemente oder individuell gefertigtes Lounge-Mobiliar. „Ein moderner, lichter Stand“, so Stephan Sluyter über den Auftritt, der mit einer Bar im Zentralbereich, leichtem Catering und Easy Listening-Sounds einlud. Für die Fernwirkung sorgte ein knallroter, mit hinterleuchteten Logos versehener, massiver Rahmen, der von der Hallendecke abhing. Das maßgebliche Gestaltungselement auf dem Stand war ein 14 Meter langer und zwei Meter breiter, mit Stoff bespannter Bogen – der, in den Farben des Hafens illuminiert, eine Brücke zwischen Europa und Asien darstellte. Es wäre freilich zu falsch zu behaupten, die reale Brücke über die Kontinente und Kulturen ließe sich so leicht wie ein Stoffbogen schlagen. „Hierarchien bei Veranstaltern, Messegeländen und Behörden, Genehmigungs-Verfahren oder Auf- und Abbauzeiten erschweren die Planung“, weiß Stephan Sluyter. „Daher ist ein erfahrener Partner vor Ort unerlässlich.“ Der Stand zur nächsten transport logistic Asia in diesem Jahr befindet sich bereits in der Vorbereitungsphase (www.blickfang.de).
Wiedererkennung und Funktionalität – das sind die beiden Grundpfeiler des Vossloh-Messekonzeptes, das ProFair, Hilden, konzeptioniert und stetig weiter entwickelt hat. „Einerseits soll d er Eisenbahntechnologieanbieter Vossloh in der ganzen Welt mit einem einheitlichen Corporate Design wahrgenommen werden“, erklärt Michael Jouaux den Ansatz. „Gleichzeitig kann der auf Systemelementen basierende Stand auch relativ leicht von unseren Partnerunternehmen rund um den Globus gebaut werden“, verweist der ProFair-Projektleiter exemplarisch auf die diesjährige Messebeteiligung an der Rail Solutions Asia in Taipeh. Dadurch lässt sich das Konzept direkt vor Ort umsetzen; es ist nicht nötig, die Materialien von Deutschland aus über längere Strecken zu bewegen. So ergibt sich ein angenehmer finanzieller Nebeneffekt, weil die Transportkosten sinken.
Vossloh setzt bei seinen internationalen Auftritten zwei Standtypen ein. Dabei wird die kleine Variante bei Auftritten bis zu 60 Quadratmetern und drei Metern Höhe genutzt. Hier fungieren elipsenförmige Stahldisplays mit integriertem Monitor als Erkennungszeichen. Die größere Version des Vossloh-Standes kommt bei internationalen Auftritten bis zu 200 Quadratmetern und sechs Metern Höhe zum Tragen. So wurde etwa 2009 bei der Nordic Rail im schwedischen Jonköping eine Fläche von 130 Quadratmetern belegt. Das Erkennungsmerkmal der „Maxi-Version“ ist eine quadratische, leicht gebogene weiße Stoffmembran, die an einer oder zwei Standseiten über das Systemgerüst gespannt wird. In die Membran ist das grüne „Vossloh-Gate“ eingelassen, das die Besucher auf den Stand einlädt (www.profair.de).
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2010